Ratgeber · Kündigung & Recht

Mietschulden eintreiben & mahnen

Lesezeit ca. 7 Min.Stand: Juli 2026
Kurz beantwortet

Die Miete ist nach § 556b Abs. 1 BGB spätestens am 3. Werktag des Monats fällig; danach tritt Verzug automatisch ein (§ 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB) — eine förmliche Mahnung ist nicht zwingend. Die fristlose Kündigung ist möglich, sobald der Rückstand zwei Monatsmieten erreicht (§ 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB). Zahlt der Mieter binnen 2 Monaten nach Zustellung der Räumungsklage, wird nur die fristlose — nicht die gleichzeitig ausgesprochene ordentliche — Kündigung unwirksam (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB).

Ab wann ist der Mieter im Zahlungsverzug?

Die Miete ist nach § 556b Abs. 1 BGB spätestens am dritten Werktag des Monats fällig (Samstage zählen nur, wenn sie Bankarbeitstage sind). Zahlt der Mieter nicht rechtzeitig, gerät er nach § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB automatisch in Verzug — ohne Mahnung, weil die Fälligkeit kalendergenau bestimmt ist.

Ab Verzugseintritt schuldet der Mieter Verzugszinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 1 BGB). Den aktuellen Basiszinssatz veröffentlicht die Deutsche Bundesbank halbjährlich im Bundesanzeiger.

Muss ich mahnen, bevor ich kündige?

Für die fristlose Kündigung wegen Zahlungsverzug nach § 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB ist keine Mahnung Voraussetzung — der Mieter ist kraft Gesetzes im Verzug. Trotzdem empfiehlt sich eine schriftliche Zahlungsaufforderung vor der Kündigung:

Wie formuliere ich die Zahlungsaufforderung richtig?

Eine Mahnung muss nicht „Mahnung" heißen, aber vier Elemente enthalten:

PraxistippSchicke die Mahnung per Einwurfeinschreiben. So ist der Zugang ohne Gegenbeweis nachgewiesen — entscheidend, wenn du später die Kündigung oder den Mahnbescheid begründen musst.

Ab welchem Rückstand darf ich fristlos kündigen?

Die außerordentliche fristlose Kündigung nach § 543 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 BGB ist zulässig in zwei Varianten:

VarianteVoraussetzung
a) Zwei aufeinanderfolgende TermineMieter ist für 2 aufeinander folgende Fälligkeitstermine mit der Miete oder einem erheblichen Teil in Rückstand.
b) Aufgelaufener GesamtrückstandÜber einen Zeitraum von mehr als 2 Terminen beläuft sich der Rückstand auf mindestens 2 Monatsmieten.

Parallel solltest du immer auch ordentlich kündigen (§ 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Der Grund: Die fristlose Kündigung kann durch Schonfristzahlung unwirksam werden (→ unten). Die ordentliche Kündigung bleibt davon unberührt — sie sichert deinen Räumungsanspruch ab, selbst wenn die Zahlung noch kommt.

Was ist der Mahnbescheid — und wie stelle ich ihn?

Mit dem gerichtlichen Mahnbescheid (§§ 688 ff. ZPO) kannst du Mietrückstände kostengünstig titulieren, ohne ein Klageverfahren einzuleiten:

WichtigDer Vollstreckungsbescheid ist ein vollwertiger Titel — er verjährt erst nach 30 Jahren und ermöglicht auch die Eintragung in öffentliche Schuldnerverzeichnisse.

Was bewirkt die Schonfristzahlung?

Selbst nach einer wirksamen fristlosen Kündigung kann der Mieter sie noch abwenden: Zahlt er (oder eine öffentliche Stelle) alle ausstehenden Beträge innerhalb von 2 Monaten nach Zustellung der Räumungsklage, wird die fristlose Kündigung unwirksam (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB).

Dieses Recht steht dem Mieter allerdings nur einmal innerhalb von zwei Jahren zu. Hat er die Schonfrist in den letzten zwei Jahren bereits genutzt, greift sie nicht erneut. Die gleichzeitig ausgesprochene ordentliche Kündigung bleibt in jedem Fall wirksam.

Häufige Fehler, die das Vorgehen schwächen

Häufige Fragen

Muss ich den Mieter mahnen, bevor ich kündige?
Nein. Die Miete ist kalendermäßig fällig (§ 556b Abs. 1 BGB), sodass der Mieter ohne Mahnung in Verzug gerät (§ 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Eine schriftliche Zahlungsaufforderung ist dennoch empfehlenswert — sie dokumentiert den Rückstand und gibt dem Mieter eine letzte Chance, bevor die Kündigung folgt.
Ab wann darf ich fristlos kündigen?
Wenn der Mieter für 2 aufeinanderfolgende Fälligkeitstermine im Rückstand ist oder der Gesamtrückstand über mehrere Monate hinweg 2 Monatsmieten erreicht (§ 543 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 BGB). Parallel empfiehlt sich immer auch eine ordentliche Kündigung nach § 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB.
Was passiert, wenn der Mieter nach der Kündigung noch zahlt?
Zahlt der Mieter (oder eine öffentliche Stelle) alle Rückstände binnen 2 Monaten nach Zustellung der Räumungsklage, wird die fristlose Kündigung unwirksam (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB) — aber nur einmal innerhalb von 2 Jahren. Die gleichzeitig erklärte ordentliche Kündigung bleibt wirksam.
Wie stelle ich einen Mahnbescheid gegen meinen Mieter?
Über das zentrale Mahngericht deines Bundeslandes, online und ohne Anwalt (§§ 688 ff. ZPO). Du bezifferst die Forderung, zahlst die halbe Klagegebühr, das Gericht stellt den Mahnbescheid zu. Legt der Mieter keinen Widerspruch ein, beantragst du den Vollstreckungsbescheid und kannst vollstrecken.

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Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick nach dem Rechtsstand Juli 2026 und ersetzt keine Rechtsberatung. Für den Einzelfall — insbesondere bei vertraglichen Sondervereinbarungen — wende dich an eine Rechtsanwältin oder einen Mieterverein bzw. Vermieterverband.